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wie die FAZ berichtet, sind Sie der Ansicht, Deutschland müsse sich schämen. Schämen, dass Sie in Deutschland noch immer keinen Trainerjob gefunden haben, obwohl Sie im Ausland bereits sechs solcher Engagements hinter sich gebracht haben. Sie beklagen sich insbesondere deshalb hierüber, weil Sie nach Ihrer eigenen Einschätzung weltweit der zweitbekannteste deutsche Fußballer wären. Und nicht nur Deutschland schieben Sie einen schwarzen Peter zu, sondern ebenso der Bild-Zeitung. Diese, so werden Sie von der FAZ zitiert, habe Ihnen mehr geschadet denn geholfen. Außerdem meinen Sie, die Fans einiger Bundesligavereine lehnten Sie ab, weil Sie beim FC Bayern München gespielt haben.

Lassen Sie mich mit der letzten Aussage starten: das halte ich für eine absolute Fehleinschätzung. Es gibt zahlreiche Fußballprofis, die nach ihrer Karriere beim FC Bayern München auch bei anderen Vereinen Fuß fassen konnten. Die Ablehnung einiger Fans Ihnen gegenüber wird daher wahrscheinlich nicht, zumindest jedoch nicht alleine, an Ihrer Vergangenheit als FC Bayern München-Spieler festzumachen sein.

Auch, dass Sie in der Vergangenheit mit der Bild-Zeitung zusammengearbeitet haben, lässt nicht zwingend darauf schließen, dass Ihnen dadurch ein Schaden entstanden sein muss. Wenn ich es recht erinnere, pflegt beispielsweise auch der unangefochtene Kaiser des deutschen Fußballs ein nicht gerade feindschaftliches Verhältnis zur Bild-Zeitung, ohna dass dies seinem Image mehr als nur unmaßgeblich geschadet hätte.

Kommen wir abschließend zu Ihrer Klage, Sie würden nicht wertgeschätzt, obwohl Sie der zweitbekannteste deutsche Fußballer seien. Ich bin mir nicht sicher, ob Sie wirklich direkt nach Franz Beckenbauer in der Rangfolge der bekanntesten deutschen Fußballer einzuordnen sind. Nehmen wir aber der Einfachheit halber an, dies stimmte, so würde ich mich an Ihrer Stelle fragen, wie es zu dieser Bekanntheit kommt. Sicherlich sind Ihre Leistungen als deutscher Fußballer dafür zu einem großen Teil maßgeblich. Aber, und jetzt kommt der meiner Einschätzung nach maßgebliche Grund dafür, warum Sie eine andere Beliebtheit genießen als Franz Beckenbauer, viele bringen eben auch Situationen in Zusammenhang mit Ihnen, die nicht ausschließlich zu Ihren Gunsten wirken.

Etwa werden Ihnen folgende Zitate zugeschrieben, die es nicht gerade nahelegen, dass deutsche Vereine sich gerne in der Öffentlichkeit von Ihnen vertreten lassen sollten:

„Wir sind eine gut intrigierte Truppe.“

„Wir dürfen jetzt nur nicht den Sand in den Kopf stecken.“

oder aber

„Schiedsrichter kommt für mich nicht in Frage, schon eher etwas, das mit Fußball zu tun hat.“

Aber, lieber Herr Matthäus, lassen wir die Vergangenheit Vergangenheit sein. Falls es in Deutschland aus irgendeinem Grund weiterhin nicht klappt, bekommen Sie bestimmt andere Chancen, z.B. in Mailand, Madrid oder einer anderen italienischen Stadt. Das wünsche ich jedenfalls Ihnen und uns.

Denn ich denke jeder weiß, dass das, wo Sie leisten, Arbeit ist.

Herzlich
Ihr

DocJott

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bei der gestrigen Wahl zum Stellvertreter des Bundestagspräsidenten haben Sie nur 371 Ja-Stimmen Ihrer Abgeordnetenkollegen erhalten. 65 Ihrer Kollegen enthielten sich und 170 stimmten gar gegen Sie. Das fanden Sie gar nicht knorke.

Ich kann das gut mitfühlen. In der fünften Klasse habe ich mich für als Kandidat für die Klassensprecherwahl aufstellen lassen. In meiner Klasse waren neben mir 29 weitere Kinder. Ich enthielt nur zehn Stimmen. Es gab nach meiner Erinnerung keine Enthaltungen, wonach also 20 Schulkameraden gegen mich stimmten (ich selber stimmte natürlich für mich). Meine Mitschülerin Almuth hat neun dieser 20 Stimmen erhalten. Ich war also nur eine Stimme beliebter als Almuth! Was für ein Skandal, was für eine dicke Hose meiner Mitschüler.

Sie haben zwar sogar weniger Stimmen erhalten als Petra Pau, ich kann Ihnen aber versichern, dass Sie das bald vergessen haben werden. Ich jedenfalls habe diese peinliche Demütigung damals schnell verdrängt. Almuth hatte mich auf einen Kakao eingeladen. Ich konnte sie sofort wieder besser leiden.

Vielleicht laden Sie, wenn auch nicht gerade Petra Pau, Ihre Bundestagskollegen auch mal auf einen Kakao ein? Ich bin mir sicher, dass diese Sie dann auch wieder besser leiden können.

Herzlich
Ihr

DocJott