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Freitag Morgen, 9 Uhr. Ein Büro in Deutschland. Die Besatzung freut sich bereits auf das Wochenende.

Ich laufe über den Flur und treffe einen Kollegen. Der nämliche ist nass geschwitzt. Es scheint zu ahnen, was ich vorhabe nickt und ruft mir zu, ich möge viel Spaß haben. Ich verstehe nicht so recht. Dann erreiche ich mein Ziel. Ich öffne die Tür und mein Körper gerät sofort in Wallung! Wie eine Welle schlägt sie mir entgegen. Mein Körper weiß noch nicht so recht, wie er auf diese Einwirkung reagieren soll. Er entscheidet sich, mit dem ihm ureigens dafür zur Verfügung gestellten Mittel zu reagieren.

Hitze

Soll heißen: die Heizung auf der Toilette unseres Büros scheint defekt zu sein und seit gestern abend auf Vollbetrieb zu laufen. 40 Grad sind wahrscheinlich noch deutlich untertrieben. So wird aus jedem Geschäft eine körperliche Anstrengung.

(Bild „In der Glut“ von Wechricho unter CC.)

Ich hatte in den letzten Wochen mit mehreren Ärzten darüber gesprochen, ob und wann eine Impfung gegen die neue Grippe (a.b.a. Schweinegrippe) sinnvoll ist. Die Antworten auf diese Frage waren unterschiedlich. Auch in den Medien hat man unterschiedlichste Auffassungen gefunden.

Letztendlich haben aber die beiden Ärzte meines Vertrauens ohne Einschränkung dazu geraten, die Impfung schnellstmöglich vornehmen zu lassen. Für meine Frau (im neunten Monat schwanger) und mich war hier insbesondere ausschlaggebend, dass der Gynäkologe unseres Vertrauens ( 🙂 ) uns erklärte, dass das Baby nach der Geburt kein eigenes Abwehrsystem hat. Man kann das Baby daher nur dadurch schützen, dass die Personen, die engen Kontakt zu dem Baby haben, ihrerseit Vorsorge gegen die Schweinegrippe treffen. Und das geht eben nur über die Impfung.

Zudem, so wurde uns geraten, sollen wir im engsten Familienkreis (insbesondere bei den Großeltern) dafür werben, dass auch diese sich impfen lassen, um so (auch) das Baby vor einem Infekt zu schützen. Also haben sowohl meine Frau (trotz Schwangerschaft) und ich uns heute morgen impfen lassen. Seitdem sind fast vier Stunden um. Weder ich noch meine Frau können Nebenwirkungen feststellen. Gerechnet haben wir damit auch nicht. Ich vertraue nämlich unserem Gesundheitssystem so weit, dass ich davon ausgehe, dass ein Impfstoff nur dann zugelassen wird, wenn Nebenwirkungen nur in Ausnahmefällen auftreten.

Wir haben uns natürlich auch Sorgen hinsichtlich der Verträglichkeit der Impfung für unser Ungeborenes gemacht. Sehr schön zusammengefasst hat Mama Miez die Ängste, die werdende Eltern dieser Tage durchleben. Letztendlich muss sich jeder selbst entscheiden. Da heißt es im Vorfeld informieren und eine wohl überlegte Entscheidung treffen. Für unser Baby, so hat uns dann schließlich unser Gynäkologe erklärt, bestehe aber kein aus der Impfung resultierendes Risiko. Dies konnte ich auch durch Internetrecherchen nicht widerlegen. Ganz im Gegenteil, lebe das Baby in den ersten Lebenswochen ausschließlich mit einem von der Mutter „geliehenen“ Immunsystem. Da bei uns bis zur Geburt noch einige Wochen Zeit sind, besteht daher eine realistische Möglichkeit, dass das Baby sogar ein Paar Antikörper erbt. So habe ich jedenfalls die Erklärung verstanden und auch für plausibel empfunden.

Ich fühle mich jedenfalls mit der Entscheidung, die wir getroffen haben, sehr wohl und kann nun sagen:

I survived the Schweinegrippeimpfung!

asc-schweinegrippeimpfung

Nachtrag, 06.11.2009:

Im Großen und Ganzen haben wir die Impfung insgesamt ohne Nebenwirkungen überstanden. Das Einzige, was wir beide gemerkt haben, war etwas Müdigkeit und Niedergeschlagenheit sowie ein ein bis zwei Tage dauernder Muskelschmerz an dem Arm, an dem geimpft wurde. Würden wir uns wieder so entscheiden? Sicherlich ja!

Bei uns im Büro gibt es auf der Etage eine Teeküche. Dort kocht man Tee, spült Tassen, benutzt den dort stehenden Kühlschrank etc. Da es auf jeder Etage des Gebäudes eine solche Teeküche gibt, liegt die Vermutung nahe, dass nur die auf der Etage lebenden arbeitenden Kollegen die jeweilige Küche benutzen.

Fast jeden Morgen, wenn ich in die Küche komme, ist der Ausguss des Spülbeckens verstopft. Verstopft mit Teeresten, die irgendein Schwein Kollege scheinbar direkt aus dem Teefilter in den Ausguss kippt. Dass dieser dadurch verstopft, kann der Kollege nicht übersehen, da der Kollege nach dem Ausleeren des Teesiebs Wasser durch den Teefilter laufen lässt und dieses Wasser nur kaum noch abläuft.

Wie Ihr dem bisherigen Text wahrscheinlich schon entnehmen könnt, glaubte ich zu wissen, welcher Kollege hinter dieser Sauerei steckt. Vor ein paar Tagen traf ich eben diesen Kollegen in der Teeküche. Er kochte gerade Tee. Ich äußerte meinen Unmut über das verstopfte Spülbecken in der Hoffnung, dass er sich ertappt fühlen möge. Darauf er: Ich weiß auch nicht, wer das immer macht! Ich war so perplex ob dieser Frechheit, dass ich darauf nichts erwidern konnte.

Umso mehr habe ich mich gefreut, dass ich ihn heute auf frischer Tat ertappt habe! Ich komme in die Teeküche und er kippt seinen Teerest in die Spüle, lässt Wasser laufen, nimmt seine Utensilien und dreht sich dann um, um zu gehen. Als er sich dreht, sieht er mich und wird rot. Er wird wirklich total rot! Ich grinse ihn an. Er geht trotzdem, ohne seinen Unrat zu beseitigen.

Dreckschwein!

Ich habe gemacht, was ich machen musste. Ich habe nach und nach alle Kollegen abgeklappert und ihnen erzählt, wer die Sauerei jeden Tag veranstaltet. Als ich später dem Kollegen auf dem Flur begegnet bin, schaute er stets von mir weg. Ich lächelte jedes Mal.

Ich habe mein Büro seit fast zwei Jahren auf dieser Etage. Auf dieser Etage arbeiten etwa 15 Personen, davon acht Männer. Es gibt eine Toilette. Wannimmer ich die Toilette aufsuche, treffe ich einen Kollegen. Also immer den gleichen Kollegen. Andere Kollegen treffe ich vielleicht einmal pro Woche, meistens aber seltener. Jetzt frage ich mich, wie das sein kann:

Geht der Kollege extrem häufig in die Kabine, so dass die Wahrscheinlichkeit ihn zu treffen, einfach viel höher ist?

Gehe ich extrem häufig aufs Örtchen, so dass die Wahrscheinlichkeit, den Kollegen zu treffen, höher ist?

Lauert der Kollege mir auf?

Leide ich unter Verfolgunsgwahn?

Haben wir einfach den gleichen Örtchenrhythmus?

Man bekommt das ja öfter mal mit:

Jemand wird auf der Autobahn mit 20 km/h zu viel geblitzt und schimpft auf die Behörde. Ich sage dann immer: das hat schon seinen Sinn. Wer zu schnell fährt, muss dafür hin und wieder bestraft werden.

Oder jemand braucht einen neuen Personalausweis und beschwert sich über die 8 EUR, die dafür bezahlt werden müssen. Ich sage dann immer: das hat schon seinen Sinn. Irgendwer muss die Kosten ja tragen.

Oder jemand wird von der GEZ „erwischt“ und muss ab sofort Gebühren dafür zahlen und hat dafür natürlich gar kein Verständnis. Ich sage dann immer: das hat schon seinen Sinn. Irgendwie müssen die öffentlichen Sender ja finanziert werden.

Ich kann es also nicht wirklich leiden, wenn Menschen an der Richtigkeit staatlicher Regelungen zweifeln, sobald sie selber von diesen Regelungen negativ betroffen sind.

Aber jetzt mal ehrlich:

2009-10-23_Knoellchen

Das ist doch eine Frechheit!