Seit ich Geschäftspartner treffe, haben sich Kategorien herauskristallisiert, in die ich die Geschäftspartner einsortiere.

geldscheine

Da wären zunächst einmal die Grand Seigneurs, die alten Herren. Wenn sie den Raum betreten, ziehen sie die Blicke sofort auf sich. Sei es wegen der elegant nach hinten gegelten grauen Haare, die vermuten lassen, dass sie Haarausfall nur aus Erzählungen kennen. Sei es aber auch durch ihre stilsichere Kleidung, die zeigt, dass ihnen der Umgang mit der gehobenen Klasse schon in jungem Alter vermittelt wurde. Diesen Herren verzeiht man es sogar, wenn sie zum eleganten grauen Flanellanzug italienischer Machart ein bügelfreies Hemd deutscher Hersteller tragen, wie es in den folgend zu besprechenden Kategorien üblich ist. Spätestens wenn diese alten Herren zu reden beginnen, sind auch die Personen von ihnen gefangen, die es bislang nocht waren. Macht man mit diesen Herren Geschäfte, kann man sich zumeist zweierlei sicher sein: Erstens wissen die Grand-Seigneuers genau, was sie wollen und tun und zweitens kann man sich auf Zusagen von diesen verlassen. Was sie sagen, wird gehalten. So haben sie es gelernt und so sind sie erfolgreich geworden.

Die zweite Gruppe sind das krasse Gegenteil. Ich nenne sie gerne die jungen Lümmel. Häufig spielen sie eine Rolle. Sie versuchen etwas darzustellen. Nur zu leicht kann man diese jungen Lümmel aber auch als solche enttarnen, nämlich indem man versucht, eine Entscheidung aus ihnen herauszukitzeln. Spätestens dann merkt man sofort, was sie nicht sind, nämlich Entscheidungsträger. Erkennen tut man diese Personen beinahe sicher auch an ihrer Kleidung. Auf den Anzügen der Name der deutschen Marke mit den jeweils vier Buchstaben in Vor- und Nachname, auf den Hemden die Markenlogos jener angeblich bügelfreien Hemden, die zu im Vergleich zu ihrer Qualität horrenden Preisen in jedem Kaufhaus verkauft werden, natürlich ohne Umschlagmanschette und Manschettenknöpfe. Besprechungen mit diesen Personen habe ich schon zu häufig als verschwendete Zeit abtun müssen. Daher nehme ich solche Termine auch nicht gerne wahr. Leider werden gerade von großen Unternehmen aber immer häufiger solche jungen Lümmel losgeschickt, da die wirkliche Entscheidungskompetenz in einer Handvoll Personen Hände liegt, die zwar die Entscheidungen treffen, den Weg dahin aber gerne von jemand anders begangen haben möchte.

Und dann ist da noch die dritte Gruppe, die man mit einem einem Schlagwort gar nicht gut bezeichnen kann. Die gefährlichste Gruppe von allen. Stehen sie vor einem, wähnt man einen jungen Lümmel vor sich. Sie sind jung, oft wenig stilsicher, wahrscheinlich sogar sehr oft wenig stilsicher. Dafür sind sie Entscheider. Sie haben einen großen Kompetenzbereich und wissen wie die Grand Seigneurs genau, was sie wollen. Sie können es nicht so souverän verkaufen wie die alten Herren, ihre Argumente sind dafür aber sachlich und bei genauer Abwägung nicht weniger schwerwiegend als die der erstgenannten Gruppe. Ich traue den meisten von ihnen nicht zu, einmal ein wirklich stilsicherer alter Herr zu werden. Aus vielen Gesprächen weiß ich aber auch, dass sie das gar nicht wollen. Die meisten von ihnen wollen nämlich in einem Alter, in dem sie als Grand Seigneur durchgehen könnten, schön längst von den üppigen Pensionen leben, für die sie sich seit Jahren mindestens 12 Stunden pro Tag durch Leben buckeln.

fünfziger

Richtigen Spaß machen Geschäftskontakte nur mit der ersten Gruppe, die leider immer kleiner und bald im schlimmsten aber nicht unwahrscheinlichen Fall der Vergangenheit angehören wird. Dann bleibt nur die noch lange währende und sich immer häufiger anbietende Genugtuung den jungen Lümmeln eine rhetorische Ohrfeige verpassen zu können, obwohl man oftmals selber gar nicht viel mehr Lenze zählt und selber noch auf dem Weg aber keinesfalls am Ziel ist, eine aussterbende Species am Leben zu halten.

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